Wenn sich die Traumwohnung anders anfühlt als gedacht…
Ich sitze im Wohnzimmer meiner ersten eigenen Wohnung auf meinem kleinen, schwarzen Ledersofa.
Der Wohnzimmerbereich ist nicht besonders groß, rechts von mir ein kleiner Kachelofen, links von mir direkt das Fenster zum Balkon. Die Rollläden sind schon unten.
Das Deckenlicht ist an. Eigentlich ist es ein bisschen zu grell. Ich hatte die Deckenleuchte gekauft als ich in die Wohnung eingezogen bin – leider hatte ich damals mehr auf das Design der Leuchte als auf die Art des Lichts geachtet. Das war direkt zu Beginn meines Studiums – damals wusste ich es noch nicht besser - sie macht den Raum zwar hell, aber irgendwie auch unruhig, anstrengend.
Bis heute kann ich mich noch sehr gut an diesen Moment erinnern, an das Gefühl und die Erkenntnis, die ich in diesem Augenblick hatte. Es war so ein Moment der Stille – im Alltagsgewusel wäre diese Empfindung komplett untergegangen.
Meine Traumwohnung, aber...
Die Wohnung war eigentlich perfekt. Die richtige Größe. In der Stadt, in der ich unbedingt studieren wollte. Soft-weiß lackierte Türen und Fenster – na ja, schon etwas verkratzt, aber dadurch wirkte es fast schon wie ein Altbau.
Viel Tageslicht. Die oberste Wohnung – direkt darüber nur der Dachboden.
Für mich eine Traumwohnung. Und trotzdem war da dieses Gefühl.
„Etwas stimmt hier nicht. Oder stimmt etwas mit mir nicht?“
Ich schaue mich um.
Das schwarze Sofa, der Kachelofen, das Licht, die Wandfarbe, die ich selbst ausgesucht habe.
Ein ovaler Esstisch, damit der Tisch weicher im kleinen Raum wirkt.
Und trotzdem fühlt es sich nicht so an, wie ich gedacht habe. Wie ich es mir erhofft habe.
Ich fühle nicht dieses Ankommen. Dieses „hier bin ich richtig – alles ist gut.“ Kein Durchatmen.
Es ist eher wie ein schöner, aber nicht gutsitzender Pulli, der an der einen Stelle ein bisschen zu eng und auf der anderen Seite schon ein bisschen ausgeleiert ist. Dieses Gefühl, wenn man ständig das Bedürfnis hat den Pulli zurechtzuziehen. Genauso wandert mein Blick immer wieder durch den Raum, als müsse ich nur endlich entdecken, was nicht stimmt.
Ich versuche es mir zu erklären: Vielleicht ist es das Verhältnis von Raumhöhe zu Raumtiefe? Oder die Lichtfarbe? Oder irgendetwas, das ich einfach übersehen habe?
Aber nichts davon fühlt sich wirklich wie der wahre Grund an.
Und während ich so dasitze, bleibt diese eine Frage im Raum:
Was stimmt hier nicht?
Auf der Suche nach dem Fehler
Damals habe ich noch versucht, die Antwort vor allem im Außen zu finden.
Ich habe mich im Raum umgesehen, als würde ich etwas übersehen. Als gäbe es einen Fehler, den ich nur noch nicht entdeckt habe.
Vielleicht die Farben, vielleicht die Möbel oder doch vielleicht die Proportionen?
Ich habe angefangen zu analysieren, zu bewerten, statt zu fühlen.
Und genau dadurch wurde das Gefühl nicht besser, sondern eher noch unerträglicher.
Denn äußerlich war alles total in Ordnung. Nicht ganz perfekt natürlich, keine richtig hochwertigen Möbel, manches improvisiert und nicht wie aus dem Design-Katalog, sondern sympathisch belebt.
Aber dieses eine Gefühl fehlte einfach. Eine Art innere Ruhe. Ein Gefühl von „ich darf ankommen“.
Ich habe lange gedacht, dass ein Raum einfach dann funktioniert, wenn man ihn richtig plant. Wenn die Einrichtung stimmt, der Stil passt. Und wenn die Entscheidungen bewusst getroffen wurden.
Aber ich fühlte sie: diese stille Irritation. Dieses leise Gefühl, nicht ganz anzukommen.
Ein Baum an der Wand
Einige Monate später geschah etwas Merkwürdiges. Plötzlich war da dieser Impuls.
Ich änderte die Wandfarbe hinter dem Sofa um ein paar Nuancen, nahm ein Stück Zeichenkohle und begann, einen riesigen Baum auf die Wand hinter meinem Sofa zu zeichnen.
Ich hatte keinen wirklichen Plan. Niemand hatte mir dazu geraten. Ich folgte einfach meiner Intuition.
Aber als der Baum fertig war und ich mich wieder auf das Sofa setzte, war da zum ersten Mal dieses Gefühl.
Nicht spektakulär oder als wären plötzlich alle Zweifel verschwunden.
Aber ich fühlte mehr Ruhe. Mehr Stabilität und Schutz im Rücken - mich irgendwie mehr gehalten, als hätte dieser Baum einen Raum geöffnet, in dem ich ankommen kann.
Raumwahrnehmung beginnt mit Zuhören
Damals hätte ich das noch nicht erklären können. Heute würde ich sagen:
Vielleicht war die eigentliche Frage nie, ob die Wohnung richtig eingerichtet war. Sondern wonach ich mich damals wirklich gesehnt habe – tief in mir.
Ein Raum ist nie nur ein Raum.
Räume spiegeln nicht nur unseren Geschmack, sondern auch unsere inneren Themen, unsere Bedürfnisse, Verletzungen und Sehnsüchte. Sie senden uns Botschaften.
Und oft merken wir das nicht sofort. Wir spüren nur dieses diffuse Gefühl von „es stimmt etwas nicht“, ohne es genau benennen zu können.
Ich habe lange versucht, dieses Gefühl rein über Gestaltung zu lösen. Über Konzepte, Optimierung, Farben und Textilien.
Und ich habe dabei übersehen, dass der Raum nicht nur etwas ist, das man gestaltet. Sondern auch etwas, das mit uns in Beziehung steht.
Je mehr ich begonnen habe, Räume nicht nur visuell zu betrachten, sondern auch zu erspüren, desto klarer wurde etwas anderes: Manchmal geht es nicht darum, den Raum gestalterisch perfekter zu machen, sondern darum, wieder in Verbindung zu kommen – mit dem Ort, an dem man lebt und mit sich selbst.
Damals, mit dem Baum, bin ich ganz unbewusst meiner Intuition gefolgt und habe begonnen dem Raum zuzuhören.
Heute nenne ich das: Raumwahrnehmung.
Ein bewussteres Hinspüren - ein Lauschen darauf, wie sich ein Raum anfühlt und was in uns auf den Raum reagiert. Und gleichzeitig dazu ein Wahrnehmen, was wir wirklich brauchen. Noch bevor der Gestaltungsprozess startet.
Und wenn du dieses Gefühl kennst – dieses leise „Ich komme hier nicht ganz an“ – dann bist du damit nicht allein.
Und vielleicht braucht es dann genau diesen ersten Schritt: Nicht wahllos sofort etwas verändern zu wollen, sondern den Raum einmal anders zu betrachten und dich selbst darin wieder wahrzunehmen.
Wenn du diesen ersten Schritt des Hinspürens gehen möchtest, habe ich eine kleine geführte Reise für dich entwickelt:
Das Raum-Ritual.
Das Raum-Ritual ist kein Gestaltungskonzept. Es ist eine Einladung, genau dort zu beginnen, wo auch mein eigener Weg begonnen hat:
Nicht mit dem Verändern des Raumes. Sondern mit dem bewussten Wahrnehmen und sich der eigenen Intuition zu öffnen.
Das Raum-Ritual ist eine Audio-Meditation, die dich dabei begleitet, deinen Raum bewusst wahrzunehmen, alte Eindrücke und Energien loszulassen und wieder in Verbindung mit dir und einer kraftvollen Raumenergie zu kommen.
Du findest sie hier:
Diese Wohnung wurde so auch zu meinem ersten energetisch-schamanischen Test- und Wirkungsfeld.
Was ich dabei so alles energetisch entdeckt habe und welche Rolle die Spirits dieses Ortes gespielt haben, erzähle ich dir in einem der nächsten Artikel.
Vielen Dank für das schöne und so typische Foto von Stuttgarts Straßen:
Foto von Florian Rebmann auf Unsplash

